Am Mittwoch, 11. Februar 2026 sprach Frau Dr. Eva Umlauf am Gymnasium Dorfen vor den vor Schülerinnen und Schülern der 10. Jahrgangstufe, um über ihr Leben als eine der jüngsten Auschwitz-Überlebenden zu erzählen.
Eva Umlauf wurde im Dezember 1942 in einem slowakischen Arbeitslager für Juden in Nowáky geboren. Auch wenn sie keine aktive Erinnerung an diese Zeit hat, so wird ihre frühe Kindheit durch das Trauma der Shoah geprägt. Im November 1944 wurde sie mit dem letzten Transport nach Auschwitz gebracht. Ein unfassbarer Zufall rettete ihr das Leben: Der Zug, der sie nach Auschwitz bringen sollte, hatte eine Panne und kam verspätet im Vernichtungslager an, als die Massenvernichtungen bereits eingestellt worden waren. Noch der Transport von Jüdinnen und Juden, der vor dem ihrem Auschwitz erreichte, führte für diese Menschen sofort in die Gaskammern und somit in die Vernichtung.
Eine eindrucksvolle Erinnerung, die Eva Umlauf mit den Schülerinnen und Schülern teilt, ist die an das Tätowieren der Nummer auf ihrem Arm. Diese Nummer, die jeder Mensch in Auschwitz eintätowiert bekam, wurde zu einem lebenslangen Symbol ihres Überlebens und ihrer Verbindung zu den Schrecken der Shoah. Es ist eine Erinnerung, die sie immer begleitet und die auch die enge Bindung zu ihrer Mutter verdeutlicht, die mit ihr und ihrer Schwester den Holocaust überlebte. Eva Umlauf macht in ihrem Vortrag deutlich, dass die auf ihre Mutter folgende Nummer auch immer Ausdruck ihrer Nähe zu dem geliebten Menschen ist. So liest sie aus ihren Erinnerungen Die Nummer auf deinem Arm ist blau wie deine Augen: „Meine Neun folgt auf ihre Acht. Ich erkenne einen Auftrag darin, den Auftrag, Zeugnis abzulegen über unsere gemeinsame Geschichte.“ Frau Dr. Umlauf hat die Tätowierung nicht entfernen lassen.
Als die sowjetische Armee am 27. Januar 1945 Eva Umlauf befreite, waren sie zusammen mit ihrer Schwester Nora die einzigen Überlebenden ihrer Großfamilie. Eva Umlaufs Leben nach dem Krieg war ebenfalls von Herausforderungen geprägt. Sie wuchs in der Tschechoslowakei während des Kalten Krieges auf, einer Zeit, die von der „Roten Diktatur“ unter dem Einfluss der Sowjetunion geprägt war. Trotz der Befreiung von den Nazis war der Antisemitismus weiterhin präsent. 1967 zog Eva Umlauf der Liebe wegen nach München und damit in das Land der Täter. Sie lebt hier als Kinderärztin und Psychotherapeutin.
Seit 2011 spricht Frau Dr. Umlauf öffentlich über ihre Erfahrungen als Holocaust-Überlebende und teilt ihre Geschichte mit jungen Menschen, um das Bewusstsein für die Schrecken der Vergangenheit zu schärfen und die Bedeutung der Erinnerung zu betonen. Eva Umlauf, seit Mai 2025 Präsidentin des Internationalen Auschwitz Komitees, sieht es als ihren Auftrag, ihre Stimme gegen das Vergessen zu erheben und die Bedeutung der Erinnerungskultur zu betonen.
Ihre Erlebnisse sind nicht nur ein persönliches Trauma, sondern auch ein emotionales Erbe, das sie an ihre Familie weitergibt – an ihre drei Söhne und ihre beiden Enkeltöchter. Dieses Erbe ist ein ständiger Begleiter und beeinflusst auch das Leben der Nachfahren. Die Geschichte ist somit nicht zu ende, sondern lebt in ihrer Familie fort. In anschließenden Fragen, durch die die Jugendlichen mit Frau Dr. Umlauf ins Gespräch kamen, mahnt die Zeitzeugin, dass wir die Vergangenheit nicht vergessen dürfen, wenn wir eine bessere Zukunft gestalten wollen.
Eva Umlauf appelliert an die Jugend, die Werte der Demokratie zu schützen und sich aktiv gegen jede Form der Ausgrenzung zu wehren. Sie betont, dass es unsere Verantwortung ist, sicherzustellen, dass sich die Schrecken von Auschwitz niemals wiederholen. In einer Zeit, in der populistische Bewegungen und der Einfluss von Parteien wie der AfD zunehmen, ist es wichtiger denn je, wachsam zu bleiben und für eine inklusive und gerechte Gesellschaft einzutreten.
Wir danken Frau Dr. Umlauf dafür, dass sie sich die Zeit genommen hat, um ihr Erlebtes mit uns zu teilen. Die Geschichte von Eva Umlauf ist nicht nur die Weitergabe von Erinnerungen an zukünftige Generationen, sondern auch ein Aufruf zum Handeln in der Gegenwart.